Warum „Die Lehrerin“ kein bequemes Buch ist

Es gibt Themen, über die man leicht schreibt und solche, um die man einen Bogen macht.

„Die Lehrerin“ gehört zur zweiten Kategorie.

Ich habe den Roman beim Storyteller-Award 2026 eingereicht. Nicht, weil er gefällig ist. Sondern weil er notwendig ist.

Im Zentrum steht Birgit Wilders, eine engagierte Lehrerin. Verlässlich, anerkannt, unauffällig. Und genau darin liegt das Problem.

Denn der Roman zeigt, wie Missbrauch nicht mit einem klaren Bruch beginnt. Sondern mit Nähe. Mit Zuwendung. Mit scheinbar guten Absichten.

Birgit überschreitet Grenzen, Schritt für Schritt. Und sie tut das nicht im Bewusstsein eines Täters, sondern in der Überzeugung, das Richtige zu tun.

Mich hat beim Schreiben eine Beobachtung geleitet:
Wenn von sexuellem Missbrauch die Rede ist, denken viele zuerst an männliche Täter. Das ist verständlich. Aber es ist nicht vollständig.

Auch Frauen missbrauchen. Anders. Leiser. Oft eingebettet in Fürsorge. Und genau deshalb schwerer zu erkennen.

Die Folgen für die Betroffenen sind nicht geringer.

„Die Lehrerin“ ist kein Kriminalroman im klassischen Sinn, obwohl die ursprüngliche Idee aus dieser Richtung kam. Mich interessierte die Perspektive des Täters – genauer gesagt: die Selbstsicht. Die Rechtfertigungen. Die Verschiebung von Grenzen, bis sie nicht mehr als solche wahrgenommen werden.

Der Roman ist in Form von Reflexionen angelegt. Nah an der Figur. Ohne Ausweichbewegung.

Was mich interessiert, ist nicht der schnelle Effekt. Sondern die Frage:
Was passiert, wenn man diesen Blick zulässt?

Die Teilnahme am Award verstehe ich deshalb nicht als Wettbewerb im üblichen Sinn. Sondern als Möglichkeit, dieses Thema sichtbar zu machen. Und zur Diskussion zu stellen.

Wenn Du dich darauf einlassen möchtst, begleite ich das hier in den kommenden Wochen mit Einblicken in die Entstehung und in die Fragen, die hinter dem Text stehen.

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